A Piedi Per Il Mondo
Artikel

Ist es wirklich wichtig, bis ans Ende zu wandern?

Ob du in Santiago de Compostela endest oder bis Finisterre weiterwanderst – entdecke, warum dein Ziel nicht alles auf einer Pilgerreise bedeutet.

AP

A Piedi Per Il Mondo

2. Mai 20173 Min.670 WörterAktualisiert am 27. Mai 2026
#news
Ist es wirklich wichtig, bis ans Ende zu wandern?

In diesem Artikel

Wie viele wissen, entstand der Jakobsweg infolge der Entdeckung im 9. Jahrhundert der sterblichen Uberreste des Apostels Jakobus des Alteren, der der Uberlieferung nach nach Spanien gereist war, um das Evangelium zu verbreiten, und nach seinem Tod auf Wunsch seiner Junger dorthin zuruckgebracht wurde. Es ist eine der drei wichtigsten Pilgerfahrten des mittelalterlichen Christentums, zusammen mit denen nach Jerusalem und Rom, und zieht seit uber 1.000 Jahren Millionen von Menschen aus aller Welt an.

Trotz der offensichtlichen Bedeutung dieses Ortes beendeten die Pilger ihren Weg von Anfang an tatsachlich endgultig, wenn sie Fisterra erreichten (Finis Terrae: das Ende der bis dahin bekannten Welt), wo sie sich auszogen, alle Kleider verbrannten, im Ozean badeten, eine weisse Tunika anzogen und schliesslich Muscheln sammelten, die als Zeugnis des langen zuruckgelegten Weges auf Hut oder Mantel genaht wurden.

Im Laufe der Zeit erlangten beide Orte immer grossere Bekanntheit und wurden nicht nur zu spirituellen, sondern auch zu kulturellen und touristischen Zielen, der eine als Hauptstadt Galiciens und prestigetrachtiges Universitatszentrum, der andere, der rund um sich und den "Kilometer null" das Interesse von Begeisterten und Neugierigen auf sich zog. Auch heute gilt daher: Fur jeden Wanderer, der sich auf den Weg macht, ist der Besuch beider Orte, Finisterre und Santiago de Compostela, fast unvermeidlich.


Bis ans Ende gehen

Fur Pilger ist das Erreichen der Kathedrale und des Cabo Fisterra sicherlich das begehrteste Ziel, der Abschluss eines Weges der Buse, der Suche oder der Andacht, gepragt von Risiken und materiellen Entbehrungen, die in der Absicht ertragen wurden, Reinigung, Heil oder Vergebung zu erlangen, zumindest in metaphysischer Hinsicht. Aber auch fur all jene, die nicht von einer religiosen Motivation geleitet werden, ist das Ankommen in Santiago de Compostela und dann, weiter, bis zum Ozean, gewiss eine Errungenschaft, ein Erfolg, eine personliche Befriedigung, eine neue Entdeckung.

Fur jeden ist das Beruhrен des letzten Punktes des Jakobswegs eine intensive Emotion: Tranen, Lacheln, Feierlichkeiten begleiten haufig die Ankunft auf der Plaza do Obradoiro. Nach Tagen oder Wochen der Anstrengung scheinen die letzten Schritte fast endlos, doch je mehr man voranschreitet, desto mehr fullt man sich mit Freude, die in einem gemeinsamen Ausruf explodiert: "Wir haben es geschafft!".

Auf ein Ziel zuzugehen ist begeisternd, genauso wie ein Ziel zu haben, das man erreichen will, sei es ein Ort, ein Projekt, eine Arbeit, ein Traum. Es ist nicht nur anregend und starkt unser Selbstvertrauen, sondern fordert auch unser Wachstum und unsere Erfullung in beruflicher, personlicher und zwischenmenschlicher Hinsicht.


Kommt es wirklich darauf an, bis ans Ziel zu wandern?

Nun aber frage ich euch: Kommt es wirklich darauf an, bis ans Ziel zu wandern? Ja, es kommt darauf an, aber meiner Meinung nach nicht so sehr wie darauf, jedem Schritt, jeder einzelnen Etappe Aufmerksamkeit zu schenken, die es einem ermoglicht, es zu erreichen. Ich glaube, dass wahrer Erfolg und wahre Befriedigung darin liegen, taglich in jedem Hindernis, in jeder Chance, die sich auf dem Weg bietet, eine Moglichkeit zu erkennen, sich selbst kennenzulernen, die eigenen Grenzen zu uberwinden, Schwierigkeiten zu meistern und das eigene Potenzial einzusetzen.

Der Weg fuhrt nicht (nur) zu einem Ziel, sondern besteht aus den Momenten und Erfahrungen, die ihn ausmachen: das Gewicht des Rucksacks spuren, der enthalt, was wir brauchen und noch mehr, die Pfeile suchen, die uns die Richtung zeigen, uns aber auch einladen, uber eine Alternative nachzudenken, Pflaster benutzen, um Wunden zu versorgen, alte wie neue, einen Wanderstock wahlen, der uns hilft und stutzt, wenn wir es alleine nicht schaffen, und dann gewiss die Muschel aufheben, die wir von Anfang an bei uns tragen, um uns daran zu erinnern, wohin wir gehen, und die wir am Ende sammeln, um zu bezeugen, was wir getan und erlebt haben.

Jemand konnte zu Recht erwidern: "Ohne ein Ziel, auf das wir unsere Aufmerksamkeit und unsere Absicht richten, gabe es weder eine Reise noch einen Weg, den wir antreten konnten." Ich jedoch wurde antworten:

"Vielleicht ist es nicht so wichtig, wohin man geht, sondern einfach zu gehen!"


#news

Teilen

A Piedi Per Il Mondo

Neue Artikel über Wanderungen, Trekking und Reisen zu Fuss. Kostenlos, kein Spam.

Vorheriger Artikel

Der Jakobsweg: Nur ein Trend?

Nächster Artikel

Schmerzen auf dem Pilgerweg? Praktische Strategien zur Vorbeugung

Bereit loszugehen?

Verwandle diese Inspiration in eine echte Reise.

Erzahl uns von deiner Traumroute: Wir gestalten die Reiseroute gemeinsam.

Reise anfragen
Auch lesen
Die Schönsten Herbstwanderwege: Natur und Spiritualität vereint
Wandern

Die Schönsten Herbstwanderwege: Natur und Spiritualität vereint

6. August 2024
12 Lieder um deinen Wandergeist zu erwecken
Wandern

12 Lieder um deinen Wandergeist zu erwecken

15. Februar 2024
Befreiung mit 40: Die Kraft des Alleinwanderns entdecken
Wandern

Befreiung mit 40: Die Kraft des Alleinwanderns entdecken

6. Februar 2024