Fernwanderwege in Italien: welcher Weg zu dir passt
Italien hat ein Dutzend Fernwanderwege, auf denen weniger Menschen gehen als auf dem Jakobsweg. Welcher zu dir passt, hängt von drei Fragen ab.

In diesem Artikel
Wer in Deutschland ans Weitwandern denkt, denkt meistens an den Jakobsweg. Das ist nachvollziehbar, und es ist auch der Grund, warum auf den letzten hundert Kilometern nach Santiago im Sommer eine Prozession unterwegs ist.
Italien hat über ein Dutzend mehrtägiger Wege, die landschaftlich und kulturell mithalten und auf denen man an einem Mittwoch im Mai stundenlang niemandem begegnet. Wir leben in Santiago und organisieren beides, deshalb können wir das ohne Pathos sagen: Die italienischen Wege sind nicht der kleine Bruder des Jakobswegs. Sie sind etwas anderes.
Dieser Text soll eine Frage beantworten, nämlich welcher davon zu dir passt. Zu den einzelnen Wegen gibt es weiter unten jeweils einen ausführlichen Beitrag.
Alle Wege im Überblick
| Weg | Tage | Etappen | km | Schwierigkeit | ab |
|---|---|---|---|---|---|
| Via del Sale, Varzi bis Portofino | 5 | 4 | 85 | anspruchsvoll | 485 € |
| Via degli Dei in 5 Etappen | 6 | 5 | 130 | anspruchsvoll | 585 € |
| Cammino Materano, Bari bis Matera | 8 | 7 | 170 | mittel | 705 € |
| Via degli Dei in 7 Etappen | 9 | 7 | 130 | mittel | 750 € |
| Franziskanischer Weg der Marken | 10 | 8 | 170 | mittel | 845 € |
| Via Francigena, Siena bis Bolsena | 6 | 4 | 130 | mittel | 1.020 € |
| Via Francigena, Lucca bis Siena | 7 | 6 | 132 | mittel | 1.140 € |
| Via di Francesco, La Verna bis Assisi | 11 | 9 | 190 | anspruchsvoll | 1.245 € |
| Via Francigena, Bolsena bis Rom | 8 | 7 | 145 | mittel | 1.345 € |
| Via di Francesco, Assisi bis Rom | 15 | 14 | 190 | mittel | 1.845 € |
| Via Francigena, Siena bis Rom | 13 | 12 | 275 | mittel | 1.995 € |
| Via di Francesco, Città di Castello bis Assisi | 7 | 5 | 110 | mittel | auf Anfrage |
| Grande Traversata Elbana, Elba | 5 | 3 | 60 | anspruchsvoll | auf Anfrage |
Die Preise gelten pro Person im Doppelzimmer und enthalten Unterkünfte, Gepäcktransport zwischen den Etappen, Roadbook und Betreuung. Flüge sind nicht enthalten.
Die Via Francigena: der Weg nach Rom
Die Via Francigena ist der italienische Weg mit der längsten Geschichte. Erzbischof Sigerich von Canterbury notierte 990 auf dem Rückweg von Rom seine 79 Tagesetappen, und dieses Verzeichnis ist bis heute die Grundlage der Route.
Wer ganz geht, läuft von Canterbury nach Rom. Das machen wenige. Der Abschnitt, der sich lohnt und in einen Urlaub passt, beginnt in der Toskana.
Von Lucca nach Siena sind es 132 Kilometer durch die Hügel der Val d'Elsa, vorbei an San Gimignano mit seinen Geschlechtertürmen und durch Monteriggioni, das Dante in der Hölle erwähnt. Von Siena nach Bolsena wird das Land härter und leerer: Val d'Orcia, die Zypressenalleen aus den Kalenderbildern, dann Latium. Von Bolsena nach Rom sind es die letzten 145 Kilometer, und wer sie geht, bekommt am Petersplatz das Testimonium, das Gegenstück zur Compostela.
Mehr dazu in den ausführlichen Beiträgen zur Via Francigena von Lucca nach Siena, zur Strecke von Siena nach Rom und zu den letzten 100 Kilometern nach Rom.
Die Via di Francesco: Umbrien und der Heilige Franziskus
Wer in Italien einen Weg sucht, der dem Jakobsweg im Gefühl am nächsten kommt, findet ihn hier. Die Via di Francesco verbindet die Orte, an denen Franz von Assisi gelebt hat, und führt durch Umbrien, das grünste Herz Italiens.
Der nördliche Abschnitt von La Verna nach Assisi ist der schönste und zugleich der härteste: 190 Kilometer über die Apenninkämme, mit dem Kloster La Verna auf 1.100 Metern als Ausgangspunkt. Der südliche von Assisi nach Rom ist länger in Tagen, aber sanfter im Profil, und endet im Vatikan.
Daneben gibt es den Franziskanischen Weg der Marken, von Assisi nach Ascoli Piceno, 170 Kilometer durch eine Region, die kaum ein ausländischer Wanderer kennt.
Ausführlich beschrieben in Von La Verna nach Assisi und im Beitrag zum Franziskus-Weg der Marken.
Die Via degli Dei: von Bologna nach Florenz
130 Kilometer über den Apennin, von Bologna nach Florenz, auf einer Trasse, die streckenweise auf der römischen Via Flaminia Militare verläuft. An einigen Stellen liegt das originale Pflaster aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus offen im Wald.
Der Name kommt von den Bergen, über die der Weg führt: Monte Adone, Monzuno, Monte Venere. Es ist der Weg mit dem meisten Höhenmeter pro Kilometer in dieser Liste, und in fünf Etappen ist er sportlich. In sieben Etappen wird daraus eine Wanderung, die auch Spaß macht.
Alle Etappen im Detail stehen im Beitrag zur Via degli Dei.
Der Cammino Materano: Apulien und die Sassi
Von Bari nach Matera, 170 Kilometer durch Apulien und die Basilikata, über Karstplateaus, durch Olivenhaine und an Trulli vorbei. Am Ende steht Matera, die Stadt aus dem Fels, bis in die Fünfzigerjahre als Schande Italiens bezeichnet, heute UNESCO-Welterbe.
Das ist der Süden, und er ist anders: weniger Wanderinfrastruktur, mehr Hitze, dafür Gastfreundschaft, die man nicht erwartet. Im Hochsommer sollte man hier nicht gehen.
Der ganze Weg ist im Beitrag Zu Fuß von Bari nach Matera beschrieben.
Zwei kurze Wege für eine lange Woche
Die Via del Sale führt in vier Etappen von Varzi in der Lombardei nach Portofino ans Meer. Es ist der alte Salzweg zwischen der Poebene und Ligurien, 85 Kilometer, und der Moment, in dem nach Tagen im Apennin plötzlich das Mittelmeer unter einem liegt, ist schwer zu überbieten.
Die Grande Traversata Elbana durchquert die Insel Elba von West nach Ost, 60 Kilometer auf dem Bergkamm mit Meerblick auf beiden Seiten. Kurz, aber nicht einfach. Details im Beitrag zur Grande Traversata Elbana.
Welcher Weg passt zu dir
Drei Fragen genügen meistens.
Wie viel Zeit hast du? Unter einer Woche kommen die Via del Sale, die Via degli Dei in fünf Etappen oder Elba infrage. Eine Woche bis zehn Tage öffnet die Toskana und den Cammino Materano. Zwei Wochen und mehr brauchen die Via Francigena von Siena nach Rom und die Via di Francesco von Assisi nach Rom.
Wie gern gehst du bergauf? Die Via degli Dei, die Via del Sale und der Abschnitt La Verna bis Assisi haben ernsthafte Höhenmeter. Die Via Francigena in der Toskana und der Cammino Materano sind hügelig, aber nie alpin.
Willst du ein Ziel, das etwas bedeutet? Dann geh nach Rom. Die letzten 100 Kilometer von Bolsena bringen das Testimonium, und der Petersplatz nach acht Tagen zu Fuß ist ein anderer Petersplatz als der vom Reisebus.
Was anders ist als auf dem Jakobsweg
Das ist der Punkt, an dem wir ehrlich sein sollten, weil die meisten unserer deutschen Gäste vom Camino kommen.
Es sind deutlich weniger Menschen unterwegs. Auf der Via Francigena begegnet man an einem Tag im Mai vielleicht fünf anderen Wanderern, auf dem Camino Francés fünfhundert. Wer die Gemeinschaft des Jakobswegs sucht, die Abende im Albergue, das Wiedersehen mit denselben Gesichtern, wird sie in Italien nicht finden.
Die Infrastruktur ist dünner. Es gibt kein durchgehendes Netz von Pilgerherbergen, die Beschilderung ist je nach Abschnitt unterschiedlich gut, und zwischen zwei Unterkünften können mehr Kilometer liegen, als einem lieb ist. Planen muss man hier mehr.
Dafür bekommt man etwas, das es auf dem Camino nicht mehr gibt: Strecken, auf denen man allein mit der Landschaft ist, und Dörfer, in denen man noch als Gast und nicht als Durchreisender behandelt wird.
Wann man gehen sollte
April bis Oktober, mit zwei Einschränkungen.
Juli und August sind in Mittel- und Süditalien zu heiß zum Weitwandern. Auf der Via Francigena in der Toskana und erst recht auf dem Cammino Materano misst man mittags über 35 Grad im Schatten, und Schatten gibt es wenig.
Die besten Monate sind Mai, Juni, September und Anfang Oktober. In Umbrien und der Toskana ist der Oktober oft der schönste Monat überhaupt: klares Licht, Weinlese, leere Wege.
Anreise aus Deutschland
Für die Toskana und Umbrien fliegt man nach Florenz, Pisa oder Bologna, für die Via Francigena nach Rom auch direkt nach Rom. Bologna ist der Ausgangspunkt der Via degli Dei und von München aus auch gut mit dem Zug erreichbar. Für den Cammino Materano fliegt man nach Bari.
Wer ohne Flug anreisen möchte: Bologna und Florenz erreicht man ab München mit einem Umstieg in Verona, in etwa acht Stunden.
Mit uns gehen
Wir organisieren diese Wege als individuelle Wanderreise. Das heißt: Du gehst in deinem Tempo, ohne Gruppe und ohne Reiseleitung, aber die Unterkünfte sind einzeln ausgesucht und gebucht, das Gepäck wird von Etappe zu Etappe gebracht, und du hast ein Roadbook mit GPS-Tracks sowie eine Nummer, unter der abends jemand abnimmt.
Individuell heißt nicht allein: mit wem du gehst, entscheidest du. Etwa ein Drittel unserer Gäste geht bewusst solo.
In zehn Jahren haben wir mehr als 30.000 Menschen auf Fernwanderwegen begleitet. Wir sitzen in Santiago de Compostela, und die italienischen Wege in dieser Liste sind wir selbst gegangen.
Wenn du wissen möchtest, wie dein Weg aussehen könnte, schreib uns. Du bekommst einen Vorschlag für deine Termine, unverbindlich.
Häufige Fragen zu Fernwanderwegen in Italien
Welcher ist der bekannteste Fernwanderweg in Italien?
Die Via Francigena, der mittelalterliche Pilgerweg von Canterbury nach Rom. In Italien wird meistens der toskanische Abschnitt ab Lucca oder Siena gegangen.
Gibt es in Italien ein Pendant zur Compostela?
Ja, das Testimonium. Man erhält es im Vatikan, wenn man mindestens die letzten 100 Kilometer der Via Francigena zu Fuß gegangen ist, also ab Bolsena oder Viterbo, und die Stempel im Pilgerausweis vorweisen kann.
Welcher italienische Weg ist der schwierigste?
Nach Höhenmetern pro Kilometer die Via degli Dei in fünf Etappen und die Via del Sale. Nach Dauer und Gesamtanstrengung die Via di Francesco von La Verna nach Assisi mit 190 Kilometern über die Apenninkämme.
Welcher Weg eignet sich für die erste Fernwanderung?
Die Via Francigena von Lucca nach Siena. Sechs Etappen, kein alpines Gelände, gute Infrastruktur, und jeden Abend ein Ort, an dem man gut isst.
Wie viele Menschen gehen auf den italienischen Wegen?
Deutlich weniger als auf dem Jakobsweg. Auf der Via Francigena trifft man an einem Maitag vielleicht eine Handvoll anderer Wanderer, auf dem Camino Francés Hunderte.
Wann ist die beste Zeit für eine Fernwanderung in Italien?
Mai, Juni, September und Anfang Oktober. Juli und August sind in Mittel- und Süditalien zu heiß, besonders auf dem Cammino Materano und in der Toskana.
Braucht man auf italienischen Wegen einen Pilgerausweis?
Für das Testimonium auf der Via Francigena ja. Auf den übrigen Wegen ist er nicht nötig, viele sammeln die Stempel trotzdem als Erinnerung.
Kann man die italienischen Wege ohne Vorbereitung gehen?
Gewohnheit im Gehen ist nötig, sportliches Training nicht. Wer in den Wochen davor ein paar Touren über 15 bis 20 Kilometer mit Rucksack geht, kommt gut zurecht. Auf der Via degli Dei und der Via del Sale sollte man etwas mehr tun.
Wie kommt man aus Deutschland zu den Startpunkten?
Nach Florenz, Pisa oder Bologna für Toskana und Umbrien, nach Rom für die letzten Etappen der Via Francigena, nach Bari für den Cammino Materano. Bologna erreicht man ab München auch mit dem Zug in rund acht Stunden.
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apiediperilmondo by wayure
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Co-fondatore di Apiediperilmondo e Wayure | Camminatore, imprenditore, costruttore
Hundertmal der Jakobsweg. Achtmal der Kumano Kodo. Dutzende Male die Küsten Portugals, dazu die Via Francigena, Irland, England, die Normandie: Jeden Weg, den du hier findest, bin ich mit meinen eigenen Füßen gegangen, in jeder Jahreszeit, allein und mit privaten Gruppen und Unternehmen. Ich biete keinen Schritt an, den ich nicht selbst gegangen bin.
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