Madrider Weg
Ein 320 km langer Pilgerweg von Madrid nach Sahagún – weniger bekannt, doch von großer Schönheit. Der Madrider Weg führt Sie durch sanfte Hügel, spanische Burgen und die authentische Seele Kastiliens.
A Piedi Per Il Mondo

In diesem Artikel
Inhaltsverzeichnis
Der Camino de Madrid ist 320 km lang und führt von der spanischen Hauptstadt nach Sahagún, einer Stadt, die sich genau in der Mitte des Camino Francés befindet. Von hier aus sind es weitere 365 km bis Santiago de Compostela, das in etwa zwei Wochen leicht zu erreichen ist.
In 13 Etappen unterteilt – aber problemlos auch in weniger Tagen machbar – ist der Camino de Madrid einer der Jakobswege überhaupt am leichtesten. Bis auf die erste Etappe nach Segovia verläuft der Weg praktisch ohne nennenswerte Höhenunterschiede, was dem Pilger erlaubt, längere Strecken schneller und effizienter zu bewältigen.
Insgesamt werden die einzigen Schwierigkeiten für den Wanderer die Beschilderung sein – oft spärlich und mehrdeutig – sowie die wenigen ausgestatteten Dörfer entlang des Weges, die dazu zwingen, den Rucksack mit reichlich Wasser und Proviant zu bepacken.
Ein sehr einsamer Weg, der jedes Jahr von nur wenigen Pilgern begangen wird, der Camino de Madrid wird den Wanderer auf die Probe stellen, da er lange Strecken oft in völliger Einsamkeit gehen muss.
Landschaften
Der Camino de Madrid verläuft fast durchgehend über flaches Gelände. Auf weißen Pisten und Feldwegen wandert man inmitten von Kiefernwäldern und endlosen grünen Feldern, oft mit Getreidekulturen bestellt. Vor einem erstreckt sich endlos eine schnurgerade Piste, die Kilometer um Kilometer führt, ohne sich zu verstecken, bis zum nächsten Dorf.
Die Schönheit dieser Orte liegt vor allem in ihrer extremen Einsamkeit und Stille.
Die Farben sind intensiv und lebendig, verändern sich mit jeder Jahreszeit. Zum Frühling gesellt sich das frische Grün zu den Mohnblüten zwischen den Feldern. Im Sommer wird alles golden, verfärbt sich im Herbst dunkel und bedeckt sich im Winter mit feinem Raureif. Kurz gesagt: eine Explosion von Schönheit und reiner Natur.
Aber der Camino de Madrid hört hier nicht auf. Die erste Etappe führt den Pfad nämlich bergauf ins Gebirge bis zum Puerto de la Fuenfría. Eine ganz andere Landschaft als erwartet, die aber unglaubliche Panoramen bietet und Kraft für die nächsten 250 km gibt.
Höhenunterschiede auf dem Camino de Madrid
Wer ein paar Fotos vom Camino de Madrid gesehen hat, könnte leicht denken, es handle sich um eine flache oder maximal wellige Route durch grüne Felder und Anbauflächen.
Tatsächlich enttäuschen die ersten Etappen diese Erwartung jedoch, indem sie dem Pilger bergiges Gelände und anspruchsvolle Höhenunterschiede bieten.
Die anstrengendste, aber auch schönste Steigung ist die 8 km lange Strecke von Cercedilla zum Puerto de la Fuenfría, ins Herz der Sierra de Guadarrama.
Es sind fast 800 m Höhenunterschied, und man erreicht den höchsten Punkt des Camino de Madrid, 1.818 m Höhe. Hier grenzt die Comunidad Autónoma de Madrid an die Region Castilla y León.
Ab Segovia präsentiert sich der Camino de Madrid dann bis Sahagún als durchgehend flache Route, unterbrochen nur von leichten und angenehmen Auf- und Abstiegen.
Kurz gesagt: ein körperlich einfacher und für alle geeigneter Weg.
Etappen und Herbergen auf dem Camino de Madrid
Um die Endpunkte der Etappen so gut wie möglich mit den vorhandenen kommunalen Herbergen abzustimmen, wurde für den Camino de Madrid eine Einteilung in 13 Etappen vorgesehen.
- 1. Etappe: Madrid – Tres Cantos | 25 km
- 2. Etappe: Tres Cantos – Manzanares El Real | 24 km
- 3. Etappe: Manzanares El Real – Cercedilla | 19 km
- 4. Etappe: Cercedilla – Segovia | 29 km
- 5. Etappe: Segovia – Santa María la Real de Nieva | 32,5 km
- 6. Etappe: Santa María la Real de Nieva – Coca | 21 km
- 7. Etappe: Coca – Alcazarén | 25,5 km
- 8. Etappe: Alcazarén – Simancas | 31 km
- 9. Etappe: Simancas – Peñaflor de Hornija | 21 km
- 10. Etappe: Peñaflor de Hornija – Medina de Rioseco | 22 km
- 11. Etappe: Medina de Rioseco – Cuenca de Campos | 24 km
- 12. Etappe: Cuenca de Campos – Santervas de Campos | 21 km
- 13. Etappe: Santervas de Campos – Sahagún | 20,5 km
Natürlich handelt es sich dabei nur um einen Vorschlag, dem jeder folgen kann oder nicht.
Abgesehen von drei Etappen, die 29, 32 bzw. 31 km lang sind, liegen die anderen zwischen 20 und 25 km. Angesichts der Einfachheit des Weges und des großen Netzes an Herbergen und privaten Unterkünften kann der Pilger die Etappen leicht je nach Bedarf verlängern oder verkürzen.
Die Pilgerherbergen entlang des Camino de Madrid sind fast alle kommunale Einrichtungen, oft neu und gut gepflegt. Allerdings gibt es solche Unterkünfte nicht in den größeren und touristischeren Städten.
Man denke an Madrid, das keine speziellen Pilgerunterkunftsoptionen hat, außer einigen Hostels, die Pilgern Rabatte gewähren.
Ähnlich ist es in Manzanares el Real, einer kulturell reichhaltigen Stadt, und in Segovia, wo es aber eine kommunale Herberge im nahegelegenen Ort Zamarramala gibt, etwa zwei Kilometer entfernt.
Wo man essen kann
Was Cafés, Restaurants und Verpflegungsstationen entlang des Weges betrifft, muss man zugeben, dass es nicht viele gibt. Besonders in der zweiten Hälfte, wenn die Dörfer immer kleiner und isolierter werden, besteht das Risiko, geschlossene oder nicht vorhandene Lokale zu finden. Es ist daher dringend zu empfehlen, immer einen guten Vorrat an Essen und Wasser mitzunehmen, um auch lange Strecken ohne Verpflegung gelassen zu bewältigen.
Beschilderung und Varianten auf dem Camino de Madrid
Eine Schwachstelle des Camino de Madrid ist die Beschilderung, die nicht immer dem Standard anderer spanischer Wege entspricht. Das Problem liegt nicht an Schönheit oder Sorgfalt der Markierungen, sondern an ihrer teilweise unzureichenden Häufigkeit. Es kommt vor, dass der Pilger nicht weiß, wo es langgeht oder unsicher ist, ob er die richtige Route gewählt hat. Manchmal sieht man stundenlang keine gelbe Markierung. Es stimmt, dass es oft lange, gerade Strecken ohne Ausweichmöglichkeiten sind, doch würde ein wenig mehr Sicherheit durch Markierungen dem Pilger helfen, schneller und entspannter voranzukommen.
Ich empfehle daher, besonders in der zweiten Hälfte des Weges sehr aufmerksam auf die Beschilderung zu achten. In der Comunidad Autónoma de Madrid ist die Markierung deutlich besser, reich an Mojones und gelben Pfeilen.
Mit zunehmender Wegstrecke werden die Mojones durch überall verteilte gelbe Pfeile ersetzt: auf Baumrinden, am Boden, auf Schilderkanten, auf Steinen am Wegesrand. Also: Augen überall offenhalten!
Zu Varianten lautet der generelle Rat, diese nicht zu folgen, außer in Ausnahmefällen. Der Grund liegt hauptsächlich in den Beschilderungsproblemen, die bei den Varianten noch ausgeprägter sind. Die sichersten Varianten sind ohnehin schon eher selten.
Wo der Camino de Madrid beginnt
Klarstellung: Der Camino de Madrid beginnt in Madrid.
Aber genau wo? Madrid ist riesig – von welchem Punkt der Stadt aus geht es los?
Die Antwort lautet: überall und nirgends. Der Weg nach Santiago beginnt vor deiner eigenen Haustür. Egal wo du dich in Madrid befindest, von dort aus beginnt dein Weg.
Sicher ist, dass man nach Norden gehen muss. Das erste gelbe Kreuz findet man auf der Plaza de Castilla, das in Richtung des Finanzviertels Cuatro Torres weist. Nach dessen Überquerung erreicht man das Viertel Fuencarral und dann immer weiter weg aus der Stadt, bis sie irgendwann nur noch ein Punkt am Horizont ist.
Symbolische Orte auf dem Camino de Madrid
Der Camino de Madrid ist eine perfekte Mischung aus Natur, Geschichte und Kunst.
Abgesehen von Madrid, das eigene Aufmerksamkeit verdient, gibt es mehrere Orte entlang des Weges, die ihn zu einer interessanten und faszinierenden Route machen.
Manzanares el Real
Zunächst sei ein paar Worte zum Staudamm von Santillana gesagt.
Der 1908 errichtete Damm sollte nicht nur die angrenzenden Gemeinden mit Trinkwasser versorgen, sondern auch das Tal bis nach Madrid mit Energie versorgen. Das Projekt gelang, und 1971 wurde der Damm erweitert. Alle vorherigen Gebäude wurden unter 40 m Wasser versenkt. Heute noch ragt der Turm des alten Dammes aus der Seeoberfläche – errichtet im gotisch-isabellinischen Stil, um sich harmonisch ins benachbarte Schloss Mendoza einzufügen.
Eine Anekdote: Joaquín de Arteaga y Echague, Marquis von Santillana, finanzierte nicht nur das erste Dammprojekt, sondern engagierte sich auch für die Restaurierung des Schlosses Mendoza, das zu seinem Geschlecht gehörte.
Das Schloss Mendoza, 1475 zu Verteidigungszwecken errichtet, erhebt sich heute in voller Pracht im Zentrum von Manzanares el Real. Viele der beim Bau verwendeten Steine stammten systematisch vom alten Schloss der Stadt.
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