Die Geschichte der Jakobswege
Die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela entsteht an der Grenze zwischen Geschichte und Legende – zwei Dimensionen, die sich über Jahrhunderte hinweg verflechten und gegenseitig bereichern. Entdecken Sie, wie Glaube, Kultur und Wandergeist einen der bedeutendsten spirituellen Wege der Christenheit prägten.
A Piedi Per Il Mondo

Alles begann in Jerusalem, etwa im Jahr 42 nach dem Tod Christi.
Die Apostelgeschichte berichtet von einer düsteren Zeit, in der König Herodes Agrippa beginnt, einige Mitglieder der Kirche zu verfolgen.
Jakobus, Bruder des Johannes und Apostel Jesu, wird daraufhin durch das Schwert getötet und wird zum ersten Märtyrer der Geschichte. Von diesem Moment an ist es die Tradition, die vorherrscht.
Es war Sankt Isidor, Bischof von Sevilla, der in seinem Breviarium Apostolorum nach sechshundert Jahren erstmals von Jakobus' Evangelisierungswerk in Spanien berichtete.

Obwohl keine weiteren zeitgenössischen oder früheren Zeugnisse diese Theorie bestätigten, begannen sich Geschichten über den Apostel und seine Präsenz in diesem Land zu verbreiten.
Eine davon, die berühmteste, wird sogar in einem hagiographischen Werk von 1260 erwähnt, der Legenda Aurea, geschrieben von Frater Jacopo da Varazze, in dem berichtet wird, wie zwei Jünger des Apostels, Theodosius und Anastasius, seinen Leichnam entführten und ihn von Jerusalem bis an die Küsten Galiziens transportierten.
Auch die Auffindung der Gebeine gehört zur Tradition.
Ein Einsiedler-Hirte namens Pelayo entdeckte die Überreste, geleitet von Lichtern am Himmel, die ihm einen bestimmten Ort im Wald zeigten, und überzeugt durch die Vision des Apostels im Traum, der ihn aufforderte zu suchen.
Er informiert daraufhin Theodemir, Bischof der Stadt Iria Flavia, der, sobald er das Grab sieht, das wunderbare Fundes seinem König Alfonso II. dem Keuschen meldet, der von Oviedo aus diese abgelegene galizische Gegend besucht, um Zeuge zu sein. Von diesem Moment an ist sie unter dem Namen Santiago de Compostela bekannt.
Es ist das Jahr 813 und wir befinden uns in der westlichsten Region der Asturien, dem einzigen christlichen Königreich in einem Spanien, das seit über einem Jahrhundert vom islamischen Reich beherrscht wird.
Während des gesamten VII. und VIII. Jahrhunderts hatte das arabische Heer Arabien, das Mittelmeergebiet und seine Inseln, die Iberische Halbinsel erobert und war bis ins Herz des Fränkischen Reiches vorgestoßen, nach Poitiers, wo es im 732 auf den starken Widerstand des Karolingers Karl Martell und seiner Armee traf und der Rest Europas ihm verwehrt blieb.
Das Königreich Asturien und das junge Heilige Römische Reich unter der Führung Karls des Großen waren daher die einzigen Kräfte, die dem islamischen Vormarsch widerstehen konnten, die einzigen, die das Christentum verteidigten, das sich verletzlich fühlte, aber stark und bereit sein wollte – nicht nur um Widerstand zu leisten, sondern um die Länder von einst zurückzuerobern.
Santiago wurde von seinen Zeitgenossen daher als göttliches Zeichen betrachtet.
Er wurde zum Symbol der Einheit der Christen im Kampf gegen die Ungläubigen und arabischen Eroberer; er wurde zum Santiago Matamoros, aufgrund von Geschichten, die von seinem Erscheinen während der Schlachten umliefen.
Er war kurz gesagt ein Symbol der Vergeltung, ein Bild der Reconquista, ein Ausgangspunkt, um den Mut zurückzugewinnen und zu kämpfen.
In den drei folgenden Jahrhunderten verfestigten und erweiterten sich die christlichen Königreiche auf Kosten des Kalifats, eroberten Städte und legten neue Wege für die immer zahlreicher werdenden Pilger, die nach Santiago unterwegs waren, an.
Ein gemeinsamer Ursprung verbindet daher alle Jakobswege, jeder mit seiner eigenen Geschichte, die sich im Laufe der Zeit durch die Entwicklung neuer Dörfer, das Erblühen alter Städte und all jener Pilger und Wanderer entwickelt hat, die mit ihren Schritten und Stimmen dessen Wesen geprägt und belebt haben.
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